Die Stadt, die die Tunnel liebt.

Magdeburg liebt Tunnel. Glaube ich jedenfalls wenn ich die neueste Beschlussvorlage der Verwaltung zum Thema Eisenbahnunterführung in der Ernst-Reuter-Allee lese.

Was mir dabei besonders komisch vorkommt, dass der Verkehrsminister des Landes Sachsen-Anhalt bei einem Besuch der CDU-Stadtratsfraktion genau dies als Idee vorgeschlagen hat. Nämlich die Fahrbahn des MIV im Tunnel als Ebene -1 unter dem Straßenbahn- und Rad/Fußwegbereich hindurchzuführen, welcher sich wie bisher direkt unter den Eisenbahnbrücken befinden würde.

Eigentlich hatte der Stadtrat bereits im letzten Jahr entschieden, die Eisenbahnunterführung so umzubauen, dass der gesamte Verkehr nebeneinbander durch neu zu bauende Brücken geführt werden soll. Außen Rad-/Fußweg, dann pro Fahrrichtung zwei Fahrspuren für den MIV und in der Mitte die Straßenbahngleise. Nicht eben unbedingt die von mir bevorzugte Variante, aber im Hinblick auf die Kosten ein guter Kompromiss. Ich hätte die Variante mit einem seperatem Straßenbahntunnel, der dabei näher an den Bahnhof hätte heranrücken können, bevorzugt.

Nun folgt aber die neue Beschlussvorlage mit der Tunnelvariante für den MIV, welche dabei nur Vorteile bei dieser Variante sieht:

  • billiger
  • für die Deutsche Bahn einfacher
  • insgesamt einfacher zu realisieren

Nachteile Fehlanzeige, aber da kann ich gerne nachhelfen. Eine Schnellstraße mitten durch das Stadtzentrum braucht keiner. Städtebaulich sind die Tunnelrampen der absolute Wahnsinn, welche meiner Ansicht nach vor allem den östlichen Bereich am City-Carre extrem negativ beeinfluss werden. Davon ab halte ich die Kosteneinschätzung für falsch. Ich kann mir einfgach nicht vorstellen dass soviel Bauwerke preiswerter sein sollen, auch wenn die Tunnel in offener Bauweise errichtet werden könnten. Ich zähle mal vor: 5 Rampen (Damscheplatz, Brandenburger Straße, Kölner Platz, Ringabfahrt Süd, Ringabfahrt Nord), zwei Tunnelröhren mit je zwei Fahrspuren sowie Anschluss der Tiefgarage des City-Carrees mit unterirdischer Kreuzungsanlage zur Ein- und Ausfahrt in Ost- und Westrichtung.

Ein weiterer wesentlicher Kritipunkt findet sich ganz klein in der Beschlussvorlage:

Die Fußgänger und Radfahrer sollen in Höhe Adelheidring auf den Damschkeplatz geführt werden . In Höhe der Brandenburger Straße erfolgt die Einbindung in den bestehenden Straßenraum.

Aha, für die freie Fahrt des KFZ-Verkehrs soll eine der wesentlichen Ost-West Radverkehrachsen zerstört werden. Der Radverkehr befindet sich an der Ausfahrt Damascheplatz mit der straßenbahn in Mittellage, führt dann durch die Haltestellenanlage der Straßenbahn am Damschkeplatz und soll dann per Fußgängerampel (wie bei Neubauten üblich natürlich per Anforderungstaste) in die eigentliche Außenlage zurückgeführt werden. Das ganze ist in der Zeichenung auch schön visualisiert.

Ist das noch normal?

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