Aufmärsche und Havariemanagement

Heute war es mal wieder soweit. Die Rechten haben einen sogenannten Trauermarsch veranstaltet, und dann waren die Linken natürlich auch nicht weit. Total überraschend kamen die Demonstrationen aber für die Magdeburger Verkehrsbetriebe (MVB), denn heute lief für die Straßenbahnen in der Innenstadt so gut wie gar nichts.

Vormittag, noch geschäftstätiges Treiben in der Innenstadt

Aber der Reihe nach. Zuerst versammelte sich das antifaschistische Aktionsbündnis gegen 9.30 Uhr am Hauptbahnhof, um dann über die Otto-von-Guericke-Straße in Richtung Uniplatz zu ziehen. Das verursachte im Straßbahnverkehr erste Unterbrechungen auf der Ernst-Reuter-Allee von Heumarkt bis Damaschkeplatz. Noch aber konnte man den größten Teil der Bahnen in Bewegung halten. Als der Demonstrationszug aber gegen 12 Uhr am Uniplatz auf den Breiten Weg Richtung Innenstadt einbog, musste dieser für den Straßenbahnverkehr zwischen Hasselbachplatz und Universitätsplatz gesperrt werden, immerhin konnte man die Linien über Nordbrückenzug und Heumarkt aufrechterhalten.

Diese Demonstration wurde am Breiten Weg/Julius-Bremer-Straße offiziell beendet. Hier versuchte auch die Polizei mit einer Sperre quer über den Breiten Weg ein Zusammentreffen von linker und rechter Szene zu verhindern. Die Sperre sollte daher trotz beendeter Demonstration noch einige Zeit Bestand haben.

Mittag, die Lage wird angespannter

Gegen 13.30 setzte sich der Demonstrationszug der Initiative "Initiative gegen das Vergessen" (die Rechten) am Domplatz mit Ziel Hasselbachplatz in Bewegung. Ab nun wurde auch die Otto-von-Guericke-Straße gesperrt, über die bisher die Linien 2, 9 und 10 umgeleitet wurden. Ich vermute, mehr aber auch nicht, dass die Bahnen im Süden nun über die Verbindungskurve Sternstraße->Hallische Straße umgeleitet wurden, teilweise auch über den Südring ins Stadtzentrum. An Fahrplan war nicht mehr zu denken, die Bahnen fuhren nur noch sporadisch. Doch hier fingen die meiner Ansicht nach lösbaren Probleme an. Da diese Siuation nicht unvorhergesehen eintrat, hätte man das Personal dafür sogar schon bereit halten können. Was ich bei Havariefällen bei der MVB immer wieder beobachte: Die Fahrgastinformation ist absolut mangelhaft.

Doch schon nach wenigen Metern musste der Demonstrationszug der rechten Szene seine Route ändern, der Grund: linke Demonstranten blockierten den Breiten Weg. Die Rechten, im übrigen, während der Zug an mir vorbeigezogen ist, auffallend diszipliniert, mussten ihre Route durch die Danzstraße abkürzen, über die Otto-von-Guericke-Straße sollte es zum Alten Markt gehen. Dabei kam es zwischenzeitlich immer wieder zu Rangeleien zwischen den Linken und der Polizei.

Nachmittag, die Situation verschärft sich zusehends

Nach dem Abzug der Rechten vom Domplatz beteiligten sich nach meiner Zählung rund 300 Magdeburger an der Kehraus-Aktion der Stadt. Gegen 14.30 Uhr wurde dann auch die Ernst-Reuter-Allee gesperrt, ab nun kam der Straßenbahnverkehr in der Innenstadt völlig zum Erliegen und wurde in zwei Teilnetze zersplittet. Im nordöstlichen Teilnetz fuhren die Linien aus dem Norden bis zum Uniplatz/Bahnhof Neustadt und dann wieder zurück, genauso wie die Linien 4 und 6 über den Nordbrückenzug. Aus dem südlichen Teilnetz habe ich keine genauen Informationen, ich weiß nur sicher, dass die Linie 6 bis zum Damaschkeplatz/Europaring gefahren ist und dann zurück, und die Linie 3 von Olvenstedt kommend über Damaschkeplatz, Südring und Halberstädter Straße zumindest als einzige Linie beide Endstellen in einem Kurs anfahren konnte.

Die einzige Verbindung beider Teilnetze lag in der Buslinie 73, auf die auch teilweise von den Fahrern hingewiesen wurde. Aber ob das ein offizieller Hinweis war, kann ich nicht glauben, denn er kann eigentlich nicht wirklich ernst gemeint gewesen sein. Der Grund, die Linie 73 fährt am Wochenende einen 40/50-Minuten Takt. Und das ist mein nächster Kritikpunkt an die MVB. Ein 20-Minuten Takt wäre ja wohl in Anbetracht der Situation angebracht gewesen. Dabei hatte ich mit Steffi wohl Glück, dass wir nur knappe 25 Minuten warten mussten.

Was dann passierte, kann ich nicht selbst erzählen, ich war zum lecker Pfannkuchenessen bei meinen Eltern.;-)

Glaubt man aber den Presseberichten, hier, hier und hier, haben wohl auch die Rechten ihre Disziplin beendet und sich Rangeleien mit der Polizei geliefert.

Abends, zur Überraschung noch kein Ende

Als wir dann gegen 17.30 Uhr, mittlerweile wieder mit Tim, zurück nach Hause wollten, dachten wir uns noch nichts, als am Olvenstedter Platz die Linie 6 nach Diesdorf in Richtung Europaring vorbeifuhr. In der Linie 3 am Damaschkeplatz dann die unangenehme Überraschung: Die Ernst-Reuter-Allee war noch immer gesperrt, dadurch war auch die Strombrücke nicht befahrbar. Immerhin auf dem Breiten Weg lief der Verkehr unregelmäßig. Da wir keine Stadtrundfahrt durch den Süden Magdeburgs machen wollten, haben wir uns zu Fuß durchgeschlagen. Am Bahnhof und der Otto-von-Guericke-Straße sicherte ein Polizeigroßaufgebot den Abtransport der Rechten vor Übergriffen der gegnerischen Seite.

Zum Glück sind wir da gefahrlos durchgekommen. Am Alten Markt hieß es nun, was nun? Die MVB waren noch immer nicht in der Lage, ihre Fahrgäste über die Fahrmöglichkeiten zu informieren. Wir sind dann per Straßenbahn-Hopping nach Hause gekommen. Zuerst in einer völlig überfüllten Linie 10 bis zum Universitätsplatz, dann in einer Linie 2 bis zur Peter-Paul-Straße und von dort mit einer Linie 6 über den Nordbrückenzug nach Hause.

MVB-Fazit

Ja, die satte Fahrpreiserhöhung ist erst in gut zwei Wochen. Diese soll ja laut Aussage des MVB-Pressesprechers Schubert mit Service-Verbesserungen ausgeglichen werden. Wir werden sehen, heute war ein Tag wo sich guter Service richtig gelohnt hätte. Die Verkehrsbetriebe können sicher nichts für die Störungen des Verkehrs, wohl aber für deren Auswirkungen für die Fahrgäste. Heute haben die MVB jedenfalls total versagt.

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